Akademisches Lehrkrankenhaus der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Tagesklinik Naumburg: Eingangsbereich Tagesklinik Naumburg: Kreatives Gestalten Tagesklinik Naumburg: Ergotherapie Team der Tagesklinik Naumburg

Für wen kommt eine tagesklinische Behandlung in Frage?

Aufgenommen und behandelt werden können Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 18 Jahren.

Die kinder- & jugendpsychiatrische Tagesklinik in Naumburg bietet für 10 Patientinnen und Patienten im Alter von 4 bis 18 Jahren ein wohnort- und alltagsnahes Behandlungsangebot für psychische und psychiatrische Erkrankungen.

Angezeigt ist eine tagesklinische Behandlung bei psychischen Krankheiten wie

  • Ängststörungen, depressiven Erkrankungen, Zwangsstörungen, Panikstörungen
  • Verhaltensstörungen in Kombination mit emotionalen Störungen
  • Entwicklungsstörungen im seelischen Bereich
  • psychosomatischen Erkrankungen wie Essstörungen, Schlafstörungen, Somatisierungsstörungen (körperlichen Beschwerden nach Ausschluss einer organischen Ursache)
  • Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen mit zusätzlichen psychischen Auffälligkeiten
  • schweren Kontaktstörungen

Im Kontrast zu einer ambulanten psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlung ist der Anlass für eine Tagesklinik dann gegeben, wenn die Bewältigung des Alltags gefährdet ist, ein Erhalt der familiären und sozialen Umgebung aber für das Behandlungsergebnis wichtig ist.

Nicht angezeigt ist eine tagesklinische Behandlung bei

  • psychotischen Erkrankungen
  • schweren Essstörungen wie Magersucht, die einer Rund-um-die-Uhr-Überwachung bedürfen
  • massiven phobischen (vermeidenden) Störungen
  • Drogenabhängigkeit
  • massiver Unsicherheit im familiären/ sozialen Umfeld
  • schweren Entwicklungsstörungen, die einer permanenten Einzelbetreuung bedürfen

In Einzelfällen ist eine Behandlung bis zum vollendeten 21. Lebensjahr möglich, wenn das Störungsbild für Kindheit und Jugend typisch ist.

Im Vorfeld der Behandlung gibt es die Möglichkeit einer ambulanten Vorstellung zur Klärung der Notwendigkeit und Bereitschaft zur Behandlungsform. Die Anmeldung erfolgt telefonisch über die Tagesklinik (Tel. 03445 - 72 29 80). Die Zuweisungen erfolgen durch Überweisung vom Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinderarzt oder Hausarzt oder durch Vermittlung von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen.

Unseren Kindern und Jugendlichen steht ein großzügiger Gruppenraum mit umfangreichen Spielmaterialien zur Verfügung. Die modern eingerichtete Küche mit integriertem Speiseraum wird gern vom Personal und den Patienten zum gemeinsamen Kochen und Backen genutzt. Für kleinere Kinder besteht die Möglichkeit, die Mittagsruhe in einem Schlafraum/Snoezelraum mit Sternenhimmel wahrzunehmen. Dieser bietet den Kindern und Jugendlichen auch die Möglichkeit zum Rückzug, zur Entspannung und gegebenenfalls auch zur Gruppentrennung.


Tagesstruktur:

Ab 07.00 Uhr kommen die Patienten in der Regel in Begleitung ihrer Eltern auf die Station. Jüngere werden von den Eltern gebracht, Ältere können mit einer Vollmacht allein kommen und die Station am Nachmittag auch allein verlassen. Anschließend erfolgt die gemeinsame Vorbereitung und Einnahme des Frühstücks.

Der Vormittag ist ausgefüllt mit Therapiestunden, Diagnostik und Schulbesuchen, wobei sämtliche Therapieangebote in die Milieutherapie eingebettet sind. Diese gestaltet sich durch Beschäftigungsangebote in Einzel- oder Gruppensituationen und der Erledigung verschiedener Aufgaben. Für sportliche Aktivitäten stehen der Spielplatz und Sporträume im Haus zur Verfügung; auch sind Spaziergänge zur Erkundung der Umwelt, zum Einkaufen usw. möglich.

Nach dem Mittagessen folgt die Hausaufgabenzeit und eine Mittagsruhe. Während dieser Zeit gibt es Möglichkeiten zum Rückzug, Schlafen, Musik hören, Selbstbeschäftigung.

Am Nachmittag (nach dem Vesper) finden dann die verschiedenen Gruppenaktivitäten und Gruppentherapien statt. Während der Zeit setzen sich die Beschäftigungsangebote vom Vormittag und die Einzeltherapien fort. Ein wichtiger Bestandteil sind weiterhin die regelmäßig stattfindenden Elterngespräche.

Ab 16.00 Uhr verlassen die Patienten die Tagesklinik.


Arbeitsweise der Einrichtung

Tagesklinik Naumburg: Puppenspiel Tagesklinik Naumburg: Küche Tagesklinik Naumburg: Spieltherapie Tagesklinik Naumburg: Gebastelter Hund Tagesklinik Naumburg: Gruppenbild Tagesklinik Naumburg: Wandgestaltung

Die Arbeit auf unserer Station ist orientiert an einer vielfältigen Anregung der Kinder und Jugendlichen, sich in ihren Stärken und Konflikten wahrzunehmen. Die verschiedenen Therapieangebote können einzeln oder als Eltern-Kind-Therapie umgesetzt werden. In der alltagsnahen Therapie bieten wir Außenaktivitäten wie Schwimmen und Reiten an. Auch Gruppenaktivitäten wie z.B. Spielplatzaufenthalte, Sportangebote, Spaziergänge sowie kreative und gesellige Beschäftigungsangebote gehören zu unserem Konzept. Zusätzlich werden in Bezug auf den Jahreskreislauf für das bewusste Erleben und dessen Gestaltung feierliche Höhepunkte und Feste gemeinsam mit den Patienten vorbereitet und ausgestattet. Unser Ziel ist es, die Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die sozialen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen in allen Lebensbereichen zu fördern und zu stärken.

Das Bezugspersonensystem trägt dazu bei, dass die Beziehung zwischen Patient und Therapeut(-in) in ihrer Bedeutung und Perspektive klar und verlässlich ist.

Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist die Bezugspflege zwischen dem Patient und einem Mitarbeiter aus dem Pflege- und Erziehungsdienst. So erhält jeder Patient seinen persönlichen Ansprechpartner, um eine emotional tragende Atmosphäre mit persönlicher Bindung zu schaffen. Die Bezugspflege gibt den psychisch auffälligen Kindern und Jugendlichen Hilfestellung bei der Tagesstrukturierung, bei Aktivitäten des täglichen Lebens, der Stärkung sozialer Kompetenzen, des Selbstwertes und angemessener Konfliktlösung. Dieser Prozess wird durch vielseitige Beschäftigungsangebote gefördert.

Das Behandlungskonzept ist ganzheitlich:

Dazu gehören gruppenbezogene Maßnahmen, die den allgemeinen Rahmen bilden und für alle Patienten gelten (in geleitet spielerischer oder auf Alltagskompetenzen (Kochen, Backen, Sauberkeit) gerichteter Aktivitäten auf der Station, in kreativer oder bewegungsorientierter nonverbaler Form sowie in Gesprächsform (Training sozialer Kompetenzen, Selbstsicherheit)). Die Gruppenaktivitäten sind dabei z.T. altersgemischt (v.a. auf der Station) in Abbildung einer familienähnlichen Struktur, als auch altersspezifisch (z.B. Bewegungs- oder Gesprächsangebote), um die altersspezifischen Entwicklungsaufgaben zu unterstützen.

Weiterhin gibt es individuell bezogene therapeutische Angebote, welche je nach Bedarf im Einzelfall eingesetzt werden. Diesem ist bei Kindern und Jugendlichen auf Grund der entwicklungsspezifischen Unreife der Persönlichkeit und der damit verbundenen besonderen Anforderungen an einen geschützten Raum als Voraussetzung für die Selbstwahrnehmung eine besondere Bedeutung beizumessen, da die Krankheitsentstehung vor dem Hintergrund spannungsgeladener innerer und äußerer Entwicklungsanforderungen und -bedürfnisse zu verstehen ist. Dabei fällt es Kindern und Jugendlichen im Vergleich mit ihrer Umgebung häufig besonders schwer, diese zu äußern und zu kontrollieren. Hier ist eine vielseitige (strukturierte und freie, handelnde und sprachliche, spielerische und ernsthafte, kindbezogene und umweltbezogene) Anregung und Wahrnehmung erforderlich, um in der Zusammenschau und der Wahrnehmung der therapeutischen Entwicklung die Hintergründe der Symptomatik zu erfassen und zu verändern.

Und schließlich sind noch umfeldbezogene Maßnahmen zu nennen: hierzu gehören an erster Stelle die Zusammenarbeit mit den Eltern, sowie Schulen, Ämtern und Hausärzten. Hier ist die Balance zwischen der Schutzraumfunktion und der Alltagsnähe der Tagesklinik von zentraler Bedeutung, die der Arbeitweise einer intensiven, aber im Herkunfts-Umfeld der Patienten zentral entspricht. Dies beginnt bereits mit der ambulanten Vorbereitung der tagesklinischen Behandlung i.F. einer allseitigen Informationserfassung und -abstimmung, setzt sich in der Behandlung in einem gestuften Erhalt der schulischen Teilhabe i.F. der Teilnahme zunächst an der Klinikschule, folgend in einer gestuften Rückkehr in die Heimatschule fort. Daneben werden zeitnah Hilfsmöglichkeiten z.B. mit dem Jugendamt kommuniziert und vermittelt. Im Anschluss an die Behandlung erfolgt eine integrierte Absprache evtl. erforderlicher ambulanter Nachbehandlungen mit den niedergelassenen Kollegen, oder eine Indikationsprüfung im Rahmen eines Ausschleichens der Behandlung über die Möglichkeit einer ebenfalls multiprofessionellen Institutsambulanz in der Tagesklinik. Damit soll sowohl die Behandlungsdauer minimiert gehalten werden, als auch über eine Sicherung der erreichten Genesung das Risiko einer erneuten Störungsentwicklung vermieden werden.

Die einzeltherapeutische Arbeit mit den Patienten erfolgt primär entwicklungsspezifisch dem Altersspektrum angepasst psychotherapeutisch, jedoch auch in Kombination mit psychiatrischen Behandlungsanteilen. Die psychotherapeutische Behandlung besteht in einer Kombination aus tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und systemischer Familientherapie.

Eine Besonderheit unserer Einrichtung ist das Angebot der Multifamilientherapie (MFT). Bei der MFT führt die Anwesenheit verschiedener Familien (d.h. Eltern bzw. Bezugspersonen der Patienten sind mit anwesend) mit ähnlichen Störungen, Schwierigkeiten oder Krankheitsbildern dazu, dass man sich gegenseitig dabei hilft, neue Lösungen zu finden, Ideen auszutauschen und Feedback innerhalb der Gruppe anzubieten. Für diese Familien ist es eine neue Erfahrung, mit anderen Familien, die meist ähnliche Schwierigkeiten haben, zusammen zu sein.


Kooperation mit anderen Einrichtungen, Vernetzung

  • Zuweisung bevorzugt durch niedergelassene Kinder- & Jugendpsychiaterin, aber auch durch Haus-/Kinderarzt
  • Kooperation mit der Erwachsenenpsychiatrie im Hause (z.B. parallele Behandlung der Eltern der tagesklinischen Patienten der KJP)
  • enge Kooperation mit der Kinderklinik im Klinikum Burgenlandkreis (konsiliarische neuropädiatrische Diagnostik, kinder- & jugendpsychiatrische Konsilleistungen in der Kinderklinik)
  • Begleitung der Beschulung (über Klinikschule und Heimatschule)
  • auf Wunsch Kooperation mit dem Jugendamt (gemeinsame Fallkonferenzen)
  • Vermittlung von niedergelassenen Kolleginnen für die anschließende oder alternative Behandlung

Weiterführende Informationen

Letzte Änderung: 15.06.2015Zurück zum Seitenanfang