Akademisches Lehrkrankenhaus der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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09/2009 Zu spüren, dass da etwas ist - Kunst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Ralf-Holger Kraft entspricht nicht dem Stereotyp eines Künstlers. Eher zurückhaltend und überlegt, aber bestimmt setzt er seine Worte. Der 43-jährige diplomierte Kunsttherapeut, selbst Vater von vier Kindern, sieht in seiner Arbeit in Merseburg „eine Möglichkeit, die er sonst nicht gefunden hat. Es ist die Begegnung zwischen Werk, Künstler und Therapeut, die meine Arbeit bestimmt.“ Deshalb zog er vor zwei Jahren mit Frau und Kindern aus dem Südschwarzwald nach Leipzig.
In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Weinberg vis-a-vis dem Klinikneubau arbeitet er mit seelisch erkrankten Kindern und Jugendlichen. Dafür stehen neben großzügigen Therapieräumen verschiedenste Materialien wie Holz, Stein, Ton, Pappmaché, Farbe u. v. m. zur Verfügung.
Ziel der künstlerischen Arbeit ist es, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, sich mit ganz unterschiedlichen Aspekten auseinander zu setzen, in einer Gruppe zu arbeiten, sich mit einem fremdbestimmten Thema zu beschäftigen, vorgegebene Arbeitsabläufe einzuhalten, Hinweise zur Nacharbeit anzunehmen u.a.
Der Kunsttherapeut schlägt Thema und Material vor und fördert die Kreativität. „Viele Jugendliche sind auf Grund ihrer Beeinträchtigung in ihrer eigenen Entscheidungsfreiheit sehr begrenzt. Da gilt es anzusetzen.“, erklärt Ralf-Holger Kraft. „Trotz ihrer Probleme verfügen sie aber über kreatives Potential. Sie spüren, dass da etwas ist. Ich freue mich über den urwüchsigen Gestaltungsausdruck.“ Zum anderen ergibt sich die Möglichkeit, die Umwelt anders wahrzunehmen, innere Prozesse zu spüren und eine realistische Selbstwahrnehmung zu entwickeln, diese mit einer Fremdwahrnehmung abzugleichen und Veränderung zuzulassen bzw. zielgerichtet anzustreben.
„In den Werken drückt sich immer auch die Störung aus. Gemeinsam ist es dann möglich, einen Veränderungsprozess in Gang zu setzen und so einen Heilungseffekt zu erzielen.
Der Kunsttherapeut Ralf-Holger Kraft weiß, wie stolz die Kinder und Jugendlichen am Ende oft auf ihre Arbeiten sind und konzipierte eine Ausstellung.
Die Arbeiten sind im Rahmen einer wöchentlich stattfindenden Gruppentherapie der geschützten Station entstanden. Die sehr konkreten Vorgaben sahen vor, eine passende Farbstimmung zu einer Jahreszeit zu entwickeln, eine Arbeit zum Thema Licht – Finsternis und eine Arbeit zum Thema Farbenmischen. Die Bilder entstanden mittels Öl- bzw. Pastellkreiden und Aquarellfarben. Die Auseinandersetzung mit einem Bild erstreckte sich über drei bis fünf Termine von jeweils 60 Minuten Dauer.
„Bei dieser z.T. sehr intensiven Auseinandersetzung vermischen sich rein künstlerische mit psychotherapeutischen Zielsetzungen. Die künstlerische Arbeit wird zur Kunsttherapie. Wird diese Arbeit mit gestalterischen Mitteln entsprechend intensiv betrieben, entsteht ein zutiefst künstlerischer Prozess, der letztlich die Aspekte moderner Kunst erfüllt und auch genau so gesehen und betrachtet werden sollte.“, wünscht sich der Therapeut.











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Letzte Änderung: 08.10.2019Zurück zum Seitenanfang